Rückblick Veranstaltung European Green Deal

Am 27. Oktober fand die digitale Veranstaltung „Der European Green Deal – Wie weiter mit Klimaschutz und Energiepolitik?“ des Europe Direct Kreis Gütersloh statt. Zu Beginn hielt Prof. Dr. Marc Ringel (Professor für Energiewirtschaft und Umweltökonomie an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen Geislingen) einen interessanten Vortrag zum Europäischen Grünen Deal, mit dem die EU das Ziel verfolgt bis 2050 als erster Kontinent die Klimaneutralität zu erreichen und die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 % gegenüber 1990 senken. Damit soll der Übergang zu einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft geschaffen werden. „Der Green Deal ist eine riesen Chance“, mit dem globale Standards gesetzt werden können, so Ringel. Besonders das Klimaschutzgesetz hob er in seinem Vortrag hervor und nannte es „eine Zäsur in der europäischen Gesetzgebung“. Das Klimaschutzgesetz verankert Klimaschutz erstmals rechtsverbindlich. Somit könnten EU-Bürger:innen beim Europäischen Gerichtshof (EUGH) klagen, wenn die Ziele nicht umgesetzt werden.

Im Anschluss daran zeigten Dirk Speckmann (Bürgermeister Stadt Borgholzhausen) und Peter Thoelen (Mobilitätsmanager der Stadt Borgholzhausen im Ehrenamt) den Beitrag von Borgholzhausen zu Mobilität und Nachhaltigkeit. Für ihre Energie- und Klimaschutzaktivitäten wurde die Kommune schon mehrfach mit dem European Energy Award (EEA) ausgezeichnet. Um klimafreundliches Mobilitätsverhalten anzuregen wird nun das neue innovative und einzigartige Projekt „Linien-E-Carsharing“ gestartet. Mit ihrem gültigen Nahverkehr-Ticket können die Bürger:innen per App kostenlos eines von zunächst 14 Elektrofahrzeugen buchen, um auf definierten Linien auch kleinere Siedlungen zu erreichen. Ziel des Projektes ist es unter anderem die Wohnattraktivität im ländlichen Raum sowie die Attraktivität des Öffentlichen Nahverkehrs zu erhöhen und damit Nachhaltigkeit zu fokussieren. Die Teilnehmenden diskutierten dazu rege im Chat der Veranstaltung. Es kamen zahlreiche Fragen, zum Beispiel dazu wie viele PKWs durch das Carsharing ersetzt werden können. Mit dem Carsharing soll die Anzahl an Autos in den Siedlungen um ein Viertel reduziert werden.

Dirk Tischmann (Stadtplanung und Kommunalberatung Tischmann Loh) berichtete daraufhin über den Beitrag, den eine Stadtplanung zur Umsetzung des Green Deals leisten kann. Als Beispiel stellte er die Klimaschutzsiedlungen im Kreis Gütersloh vor. Diese sind Ergebnis eines Zusammenspiels aus Klimaschutz, Städtebau und Gestaltung. Tischmanns Plädoyer: „Klare politische Vorgaben auf der höheren Ebene, das hilft!“ Gerade beim Thema Energiewende würden konsequente Vorgaben durch Gesetzgeber, durch Förderbedingungen etc. unnötige Diskussionen und Akzeptanzverluste auf kommunaler Ebene vermeiden. 

Vielen der Teilnehmenden war das Thema öffentlicher Nahverkehr im besonders wichtig. Andere Länder, wie z.B. Österreich, sind diesbezüglich weiter als wir in Deutschland. Insbesondere für den ländlichen Raum sei der öffentliche Nahverkehr essenziell für die Verkehrswende. Der öffentliche Nahverkehr müsse attraktiver werden, also günstiger und besser getaktet, so dass man gar nicht mehr überlegen muss, ob man diesen nutzt oder nicht. Nur so können möglichst viele Menschen überzeugt werden, auf einen privaten PKW zu verzichten.
In einem weiteren Punkt waren sich viele der Referenten und Teilnehmenden einig: es müssen ausreichend Fördermittel für die nachhaltige Transformation bereitgestellt werden. Vor allem müssen diese möglichst schnell umzusetzen sein. Zudem spielen die Kommunen eine wichtige Rolle bei dem Weg zur Klimaneutralität und dürfen deshalb von der EU und der Bundesregierung nicht alleingelassen werden. 
Andere Teilnehmende stellten in Frage, wie die Begriffe grünes Wachstum und Klimaneutralität zusammenpassen können. Fragen kamen bei den Teilnehmenden außerdem auf bezüglich der Energiequellen. Zum Beispiel hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Atomkraftwerken oder Holschnitzelheizungen. 
Auch die sozialen Aspekte sollten aus Sicht der Teilnehmenden stärker berücksichtigt werden. Die Transformation muss sozial verträglich gelingen und hierfür muss die EU die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Klimadebatte zum Erfolg führt.
Die Vorschläge wurden ausgiebig diskutiert und die Referenten standen für spezifische Rückfragen zu Verfügung.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Konferenz zur Zukunft Europas statt.

Unsere Veranstaltung finden Sie auch hier auf der Plattform der Konferenz zur Zukunft Europas. Schauen Sie doch dort vorbei uns ergänzen Sie Ihre persönlichen Ideen zu dem Thema Klimaschutz!
 

LOTTE FOOTH

  • Referentin für Europa-Arbeit
  • Leitung Europe Direct Kreis Gütersloh

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