Mentoren-Service Ostwestfalen

Portrait: Walter Rempka


Damit ein Mentoringprojekt erfolgreich sein kann, muss ein wirklicher Dialog zwischen Mentor und Unternehmer zustande kommen. "Und es müssen Verabredungen getroffen werden, die eingehalten werden." konstatiert Walter Rempka.

Nach 15 Jahren verabschiedet sich Walter Rempka von seiner Tätigkeit für den Mentoren-Service OWL und fasst sein Engagement zusammen: "Insgesamt eine tolle Zeit. Dass ich meine gesammelten Erfahrungen einbringen konnte, hat mir in besonderem Maße Spaß gemacht und war nie eine Belastung."

Der 82-Jährige gelernte Werkzeugmacher absolvierte auf dem zweiten Bildungsweg das Ingenieursstudium an der Staatlichen Ingenieursschule in Kiel. Er begann seine Karriere als Leiter der Qualitätskontrolle bei der Firma Anschütz in Kiel, anschließend war er in gleicher Funktion bei der Maschinenfabrik Singer Alemannia in Creußen bei Bayreuth tätig. Darauf folgten einige Jahre als Direktor von drei Werken der Ideal Standard GmbH, dann als Fabrikleiter der Krupp-Kessel-Fabrik Berlin, bis diese verkauft wurde. Nach einem kurzen Intermezzo in Kanada wechselte er zur Nixdorf Computer AG, später Wincor Nixdorf. Dort leitete er vier Jahre lang das Kölner Werk bevor er als Vice President Production die Leitung der Produktion in Paderborn übernahm. 16 Jahre lang war Walter Rempka in dieser Funktion und zusätzlich auch für die Kunststofffertigung in Berlin und den Werkzeugbau in Paderborn und damit für insgesamt für ca. 1000 Mitarbeiter verantwortlich. Sein Erfolgsrezept ist so simpel, wie wirksam: "Je aufregender es wird, desto ruhiger werde ich. Das ist mein Vorteil, der mich durch die letzten 20 Berufsjahre getragen hat."

Seit der Gründung des Mentoren-Service Ostwestfalen in 2002 betreute Walter Rempka 36 Unternehmerinnen und Unternehmer. Dabei waren die Problemlagen und Fragestellungen so unterschiedlich wie die Unternehmertypen und ihre Branchen. Beispielsweise ist er nach dem plötzlichen Tod eines Unternehmers als Interimsgeschäftsführer eingesprungen, eines seiner aufregendsten Projekte, bis die Nachfolge geregelt werden konnte. Er hat Konflikte bei der Geschäftsübergabe zwischen Vater und Sohn gelöst und hat Existenzgründer/innen in der schwierigen Startphase der Unternehmen unter die Arme gegriffen.

Der besonnene Exmanager ist davon überzeugt, dass Probleme im unternehmerischen Alltag häufig durch eine Selbstüberschätzung der Unternehmer/innen ausgelöst werden. Man ist stolz auf seine Handschrift, aber der Aufwand zur Zukunftssicherung der Unternehmen wird unterschätzt. Ein Mentoringprojekt hat dann Chancen auf Erfolg, wenn eine gewisse Offenheit vorliegt und die Probleme offensiv dargestellt werden, denn "Veränderung funktioniert nur mit Offenheit", fasst er seine Erfahrung zusammen.

Sein Tipp für junge Unternehmer/innen ist es, auf jeden Fall realistisch zu bleiben und sich nicht in große finanzielle Risiken zu stürzen.

Neben seiner Tätigkeit als Mentor war Walter Rempka freiberuflich als einer von drei Geschäftsführern des Kompetenzzentrums für Virtual Prototyping & Simulation (OWL ViProSim e.V.) aktiv. In 10 Jahren hat er, meistens begleitet von Doktoranden des Heinz Nixdorf Instituts, 86 Unternehmen von der Analyse der Produktidee bis zur erfolgreichen Markeinführung beraten. Diese Besuche waren der Startschuss für die Digitalisierung in der Region, ist er überzeugt.

Das Thema Digitalisierung wird die Wirtschaft in den nächsten fünf Jahren grundlegend umkrempeln und "wir müssen uns mächtig auf die Socken machen, um in Deutschland den Anschluss nicht zu versäumen und das Niveau zu halten."

Autorin: Vera Wiehe, WEGE mbH