Europawochen 2017 im Kreis Gütersloh

Vom 5. bis 14. Mai fanden die Europawochen im Kreis Gütersloh statt. Drei spannende Wochen und 15 Veranstaltungen mit angeregten Diskussionen, kulturellen Events und schulische Thementage lockten Interessenten aus dem gesamten Kreis Gütersloh an die Veranstaltungsorte. Wir geben Ihnen einen kleinen Rückblick zu einzelnen Veranstaltungen:

Europa Union Kreisverband Gütersloh in Kooperation mit der Stadt Gütersloh

Europa konkret mit “Musterland  Portugal”

Information, Festvortrag und ein bisschen Urlaubsstimmung beim Europatag 2017

Gütersloh (gpr). Europa kann sehr konkret, sehr fröhlich und sehr verbindend sein. Diese Qualität kommt im aktuellen Nachrichtengeschehen häufig zu kurz. Ein Beispiel dafür lieferte jetzt die gemeinsame Festveranstaltung der Stadt Gütersloh und des Kreisverbandes der Europa Union zum Europatag 2017. Im Mittelpunkt der Veranstaltung im Städtischen Gymnasium stand in diesem Jahr Portugal, Festredner war der portugiesische Generalkonsul José Manuel de Jesus Carneiro Mendes aus Düsseldorf.
Das Fest zum Festtag hatte die Portugiesische Vereinigung Gütersloh liebevoll vorbereitet. Ihre Mitglieder sorgten mit einer Fülle delikater Spezialitäten dafür, dass das Land im Süden Europas nicht nur verbal präsent, sondern im wahrsten Sinn des Wortes auch zu schmecken war. Dazu portugiesische Musik von Mitgliedern der Gruppe Segura-te und den kühlen ostwestfälischen Abend umgab ein Hauch von Urlaub, Sonne und Sehnsucht nach dem Sommer.

Auf das bekannte Urlaubsland Portugal verwies auch Bürgermeister Henning Schulz in seinem Grußwort. Aber er erinnerte ebenso an die enge Verbindung zwischen der Stadt und der Associacao Portuguesa, die sich nicht zuletzt aus der WM 2006 entwickelte, als die portugiesische Nationalmannschaft – mit „CR 7“  Ronaldo - ihr Trainingslager in Gütersloh und Marienfeld aufschlug. Schulz stellte den Abend gleichzeitig in den gesamteuropäischen Rahmen:  „Die Generation unserer Eltern und Großeltern hat in zwei Kriegen schmerzlich erfahren müssen,  wozu Abgrenzung, übersteigerter Nationalstolz, propagierter Hass und Ausgrenzung führen können. Der europäische Weg ist und bleibt derjenige, der auf Abstimmung untereinander, auf demokratischen Grundprinzipien und „auf Augenhöhe“ derjenigen basiert, die ihn mitgehen. Das ist kein abstrakter Gedanke, sondern täglich belegbar – in der „großen Politik“ ebenso wie im kommunalen Handeln. Und genau davon sollten wir noch viel mehr und häufiger berichten!“ Auch Jürgen Jentsch, Vorsitzender des Kreisverbandes der Europa Union wandte sich in seiner Begrüßung gegen Abschottung: „Im Zeitalter der Globalisierung bieten Alleingänge keine Erfolgsaussichten. Denn nur im gemeinsamen Handeln können auch kleinere Staaten ihre Souveränität aufrechterhalten.“

Vor diesem Hintergrund ist gerade Portugal europäisches Musterland. Konsul Carneiro Mendes nahm seine Zuhörer und Zuhörerinnen mit auf eine Tour durch die wechselvolle Historie seines stolzen Landes. Macht, Reichtum, Armut, Auswanderung, Diktatur, friedliche (Nelken-) Revolution und Demokratie sind Stichworte, die portugiesische Geschichte beschreiben. Und alle Epochen kennzeichnen internationale Einflüsse. Vielleicht macht auch das die Portugiesen heute bei allen wirtschaftlichen Krisen, die auch dieses Land in der jüngsten Vergangenheit durchlebte, zum überdurchschnittlich hohen Europa-Befürworter. Carneiro Mendes jedenfalls präsentierte aktuelle Umfrage-Zahlen, die dies beeindruckend belegen: Fast 90 Prozent der Portugiesen sprechen sich für den Verbleib in der der Euro Zone aus. Ebenfalls bemerkenswert: 73 Prozent sagen ja zur Aufnahme von Flüchtlingen.

Text zur Verfügung gestellt von der Stadt Gütersloh

Portugal sagt ja zu Europa: (v.l.) Jürgen Jentsch, Vorsitzender des Kreisverbands der Europa Union, Generalkonsul José Manuel de Jesus Carneiro Mendes, Maria do Ceu da Silva Pereira Romarigo, 1. Vorsitzende der Portugiesischen Vereinigung Gütersloh und Bürgermeister Henning Schulz.

Droste-Haus Verl e.V.

Studententheater aus Sibirien in Verl


„Das Glück küsst manche oft und manche nie...“ seufzt Helena, die unglücklich in Demetrius verliebt
ist, in Shakespeares Sommernachtstraum mit charmant russischem Akzent. Demetrius jedoch liebt Hermia, die den Lysander, der wiederum Helena verfallen ist, liebt. Das für Schul- und Laientheater-Inszenierungen prädestinierte Verwirrspiel um die Liebe des englischen Dramatikers war im Pädagogischen Zentrum der Hauptschule am Freitag, 12. Mai zu sehen. Das Stück wurde vom russischen Studententheater „Alter Ego“ unter der Leitung von Deutschlehrerin Dr. Irina Selesnjova aus dem sibirischen Krasnojarsk aufgeführt.

Seit 27 Jahren kommt die Germanistik-Dozentin mit einer Gruppe ihrer Studenten nach Verl. Jedes Mal mit einem anderen Stück. Bei den Studenten handelt es sich um angehende Deutschlehrer, die auf diese Weise ihre deutsche Sprache perfektionieren. In diesem Jahr habe sie den Sommernachtstraum ausgewählt, so Irina Selesnjova, da einige der Studenten Englisch als Zweitsprache lernen und sich daher natürlich ein Stück von William Shakespeare angeboten
habe. Gut zweihundert Zuschauer nutzten die Gelegenheit, die humorige Komödie um Liebe, Leid und Lust in Verbindung mit einer bunten märchenhaften Elfen und Feenwelt mitzuerleben.

Fehlerfrei intonierten die Deutschstudenten sodann auch die gekürzte Fassung des Sommernachtstraumes mit ihrem sympathischen russischen Akzent, der dem Stück seine eigene Note verlieh. Viel Gelächter erntete das 26-köpfige Ensemble für die lustig in Szene gesetzten Dialoge, in der für die Epoche typischen Reimform vorgetragen. Sogar eine hervorragende rhythmische Solotanzeinlage mit Keulen und Band hatte das Ensemble in das Stück integriert.

Die angehenden Deutschlehrer wohnen für zwei Wochen in Gastfamilien in Verl und Umgebung. Die Abende und Wochenenden verbringen die Gäste aus Sibirien in den Familien, tagsüber nehmen sie an einem theaterpädagogischen und kulturellen Programm in der Region teil. Neben dem Auftritt in Verl gab es weitere erfolgreiche Aufführungen im sauerländischen Eslohe und im Kloster in Rietberg-Varensell. Die Inszenierung, die liebevollen Kostüme sowie die Choreographien wurden von den jungen Artisten selbst entwickelt und umgesetzt. Erstmals waren auch zwei angehende Visagistinnen dabei, die die Maske übernommen haben. Zwei bis drei Monate habe sich das Ensemble auf ihre Auftritte in Deutschland vorbereitet und jedes Wochenende geprobt, erzählte Irina Selesnjova.

Die Gruppe ist mittlerweile voller neuer und positiver Eindrücke in Sibirien angekommen.

Text zur Verfügung gestellt vom Droste-Haus Verl e.V.

Reinhard-Mohn-Berufskolleg

Kulturaustausch fördert das Völkerverständnis

Zu einem kulturellen Austausch kam anlässlich des Europatages eine russische Studentengruppe aus Krasnojarsk ans Reinhard-Mohn-Berufskolleg. Die Gruppe nimmt in Begleitung mit dem Droste Haus in Verl für zwei Wochen an einem Programm zur internationalen Jugendbegegnung teil und führt in dieser Zeit an unterschiedlichen Orten das Theaterstück “Ein Sommernachtstraum” vom William Shakespeare auf.

Für die Schülerinnen und Schüler des Reinhard-Mohn-Berufskollegs bot sich ein außergewöhnliches Zusammenspiel an. Eine russischstämmige Studentengruppe aus Sibirien, die das Lehramt für die Fächer Englisch und Deutsch studieren, führen ein britisches Theaterstück, welches aus der griechischen Mythologie abgeleitet ist, auf deutscher Sprache auf. Cem Özel, als Organisator des Europatages am Reinhard-Mohn-Berufskolleg, war von diesem Mix begeistert.

Der Wechsel zwischen Theaterszenen und musikalisch sowie akrobatischen Einlagen, aber auch die gekonnt und unterhaltsam gespielten Rollen machten das Gesamtwerk zu einer gelungenen Auftaktveranstaltung. Interessant war auch der Wechsel zwischen den Sprachebenen, der Jugend-, Alltags- und der Bildungssprache. Nach der Aufführung hatten zahlreiche Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, mit den Gästen näher ins Gespräch zu kommen und das geschah nicht nur auf Deutsch. Der direkte Austausch mit den Studenten brachte ihnen neben der kulturellen Vielfalt Europas auch das Verständnis für andere Bevölkerungensgruppen näher. Die ursprünglich auch geplante Veranstaltung mit dem Europapolitiker Elmar Brok wird im Oktober nachgeholt.

Text zur Verfügung gestellt vom Reinhard-Mohn-Berufskolleg

 

Berufskolleg Halle

60 Jahre Römische Verträge - 60 Jahre Europa

Der    renommierte    Politologe    und    Vortragsprofi Ingo  Espenschied  zog in  seinem  Vortrag  „60  Jahre   Römische  Verträge – 60 Jahre Europa“ Bilanz. In einer multimedialen Zeitreise auf Großbildleinwand zeigte er die Entstehungsgeschichte Europas und seine wechsel-
hafte Entwicklung. Den ganzen Bericht finden Sie auf der Webseite des Berufskollegs Halle.

 

 

 

Europe Direct Informationszentrum Kreis Gütersloh

Einblick in die Entwicklung Europas

Vortrag des Europazentrums lockte viele Zuhörer an

Zum Auftakt der Europawochen im Kreis Gütersloh luden die VHS Reckenberg-Ems und das Europe Direct Informationszentrum am 4. Mai zum Vortrag „EU, Brexit und die Zukunft EU-ropas!“ ein. Dr. Gerhard Schüsselbauer, Volkswirt und Dozent am Gesamteuropäischen Studienwerk in Vlotho, präsentierte in seinem Vortrag Szenarien der Gegenwart in Zeiten politischer und ökonomischer Krisen in der Europäischen Union. Im Vorfeld des Vortrags wurden die zehn Gewinner des Europa-Quiz ausgezeichnet.

Dr. Schüsselbauer beleuchtete, dass sich die EU im Spagat zwischen Vertiefung der Europäisierung auf der einen und der Re-Nationalisierung auf der anderen Seite befindet. Brexit, Grexit und die von manchen Politikern angekündigte „Gegenrevolution“ machen der Union schwer zu schaffen. Die Gegenwart und die Zukunft EU-ropas werden dominiert von politischen und ökonomischen Krisen und gleichzeitig dem Willen, den national-konservativen und populistischen Strömungen entgegenzuwirken und ein Auseinanderbrechen zu vermeiden. Dr. Schüsselbauer gab einen Einblick, welche Szenarien zukünftig möglich sind und was dies für die EU und deren Außengrenzen sowie Deutschland bedeutet. Bereits während des Vortrags entstand eine angeregte und facettenreiche Diskussion zwischen den Besuchern. „Die Diskussion und die vielen Fragen der Gäste zeigte, wie bewegt die Bürgerinnen und Bürger sind. Es waren diverse Meinungen für und gegen die EU vertreten. Für uns eine wichtige Rückmeldung für unsere Arbeit“, so Leana Kammertöns, Leiterin des Europe Direct Informationszentrums Kreis Gütersloh. Obwohl die emotionsgeladene Diskussion schließlich von den Veranstaltern beendet werden musste, blicken sie sehr positiv auf den Abend zurück, der das Bürgerinteresse am Thema EU deutlich machte.