Neuer EU-Datenschutz 2018

In zwei Veranstaltungen, am 15. September 2017 und am 23. Januar 2018, informieren das Europe Direct Informationszentrum und die pro Wirtschaft GT Unternehmen über die Änderungen, welche die neue EU-Datenschutzgrundverordnung mit sich bringt.  

Nachbericht: Neuer EU-Datenschutz 2018 - Was Unternehmen jetzt bedenken müssen

Digitalisierung der Seele
Experten informierten zum EU-Datenschutz 

Kreis Gütersloh. Wir leben heute in einer völlig veränderten Datenwelt – und daran muss die Gesetzgebung sich anpassen. Damit Unternehmen nicht völlig unvorbereitet der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung gegenüber stehen, die am 25. Mai 2018 in Kraft tritt, hat das Europe Direct Informationszentrum Kreis Gütersloh gemeinsam mit der pro Wirtschaft GT zu einem Experten-Vortrag eingeladen. Rund 70 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen im Kreis Gütersloh hörten dem EU-Abgeordneten Axel Voss und dem EDV-Unternehmensberater Thomas Floß zu und nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen.

Axel Voss zum EU-Datenschutz 2018

„Wir sind dabei unsere Seele zu digitalisieren“, betonte Voss und erläuterte die Selbstverständlichkeit, mit der die meisten Bürgerinnen und Bürger ihre Daten Konzernen wie Facebook, Google oder Apple preisgeben. AGBs und Datenschutz-Klauseln werden ungelesen bestätigt, kostenlose Apps ohne zu überlegen heruntergeladen. Fitness-Armbänder und intelligente Systeme wie Alexa und Siri begleiten uns im Alltag und zeichnen unser ganzes Leben auf. „Die Bürger sind die Zustimmung betreffend nicht mehr mündig und es wird kommen, dass alle gezwungenermaßen zustimmen“, ist sich Voss sicher. Umso wichtiger wird es daher, den Datensammlern per Gesetz Einhalt zu gebieten, und die sensitiven Daten der Menschen zu schützen. Obwohl er die Veränderungen der neuen EU-Datenschutzverordnung begrüßte, kritisierte er viele Bereiche auch. „Der Schutz der Einzelnen ist uns gut gelungen, doch geht damit eine enorme Bürokratie einher“, denn die Unternehmen müssen alles dokumentieren, um die Erfüllung des Datenschutzes zu beweisen. Mit Blick auf die Privatsphäre ist dies gut, doch für die Wirtschaft wird es Probleme mit sich bringen. 

Thomas Floß zu den Änderungen, die sich für Unternehmen ergeben.

Wie schwierig die Umsetzung der neuen Datenschutzverordnung für Unternehmen ist, bestätigte auch der EDV-Berater Floß. „Unternehmen erwarten hohe Sanktionen – und das vermutlich schon wenige Tage nach dem Stichtag“, erläutert er. Für viele Unternehmen bedeuten die neuen Richtlinien immense Investitionen: Anschaffung von Technik nach dem aktuellen Stand und viel Zeit für Dokumentationen und Datenprüfungen. Viele Unternehmen müssen auf neue Software zur Datenspeicherung und -sicherung umsteigen, da viele Cloud-Anbieter nicht der neuen Datenschutzverordnung entsprechen. Andere Firmen können der geforderten Datenlöschung nicht nachkommen, da die angewandte Software es nicht zulässt. „Versuchen Sie Daten, die nicht löschbar sind, zu anonymisieren. Aus Herrn Müller wird dann Mickey Maus, aber das ist sicher zu verkraften“, rät Floß mit einem Augenzwinkern. „Achten Sie insgesamt bei der Kommunikation immer auf den Datenschutz. Weisen Sie auf eine fehlende Verschlüsselung bei E-Mails hin und arbeiten Sie nicht mehr mit offenen Verteilern, die alle Adressaten sehen können“, gab er Tipps an die Anwesenden und verwies darauf, dass jedes Unternehmen einen individuellen Fall darstelle, der den Blick eines internen oder externen Datenschutzbeauftragten benötige.  

„Das große Interesse und die Vielzahl der Fragen haben uns gezeigt, dass der neue EU-Datenschutz die Unternehmen bewegt“, schloss Leana Kammertöns, Leiterin des Europazentrums. Aufgrund der hohen Resonanz wird eine Folgeveranstaltung mit Herrn Floß am 23. Januar 2018 in Gütersloh stattfinden. 

Informierten über die neue EU-Datenschutzverordnung: EU-Abgeordneter Axel Voss, Leana Kammertöns (Europe Direct Kreis Gütersloh), Albrecht Pförtner (pro Wirtschaft GT) und Thomas Floß (EDV-Unternehmensberatung Floß GmbH)