Veranstaltungen 2016 im Rückblick

Nachbericht

Tagesfahrt in die Europa- und Bankenstadt Frankfurt am Main:
Die Europäische Zentralbank – Rolle, Aufgaben und Herausforderungen

Kreis Gütersloh.  Die Möglichkeit eine europäische Institution zu besuchen hat man nicht alle Tage! Am 3. November 2016 bot die VHS Stadt Gütersloh und das Europe Direct Kreis Gütersloh zum ersten Mal eine Tagesfahrt in die Europa- und Bankenstadt Frankfurt am Main an. Das Highlight an diesem Tag war der Besuch der Europäischen Zentralbank. 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger nahmen an dieser besonderen Veranstaltung teil.

Nach der Anfahrt in einem bequemen Reisebus und Erkundung der Frankfurter Altstadt, machte sich die Reisegruppe geschlossen auf den Weg in die Europäische Zentralbank (EZB), ein neues architektonisches Glanzlicht der Frankfurter Skyline. Die EZB ist die Notenbank für die gemeinsame Währung Europas, den Euro. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Kaufkraft des Euro und Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten. Das Euro-Währungsgebiet besteht aus den 19 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die den Euro seit 1999 eingeführt haben.
Welche Aufgaben hat die Europäische Zentralbank? Wie funktioniert die EZB? Welchen Einfluss nimmt sie auf die Politik der Europäischen Union? Diese und viele Fragen zur Finanz- und Wirtschaftspolitik konnten direkt einem Vertreter der Europäischen Zentralbank, Herrn Dr. Arne Gieseck (Adviser, Division Output & Demand) gestellt werden.

Nach dem informativen Vortrag erkundet die Reisegruppe die aktuelle Ausstellung im Neubau der EZB.

Nachbericht

Der Terrorismus bleibt eine große Herausforderung für Europa

Kreis Gütersloh. Rund 100 Bürgerinnen und Bürger folgten am 28. Oktober 2016 der gemeinsamen Einladung von der Deutsch-Französischen-Gesellschaft Gütersloh und des Europe Direct Kreis Gütersloh zu einem Vortrag zum Thema „Der internationale Terrorismus als Herausforderung für Frankreich, Deutschland und Europa“ in der Aula des Städtischen Gymnasiums.

Referent Prof. Dr. Henri Ménudier (Universität Paris 3-Sorbonne Nouvelle) ist ein Pariser Politologe, der sich mit Deutschland nach 1945 und mit den deutsch-französischen Beziehungen in Europa intensiv  beschäftigt.
In seinem Vortrag am Abend gab Herr Ménudier einen Überblick über die terroristischen Anschläge in Frankreich und Deutschland und versuchte, Ursachen und mögliche Reaktionen zu beschreiben. Sein Resümee: „Einige Ursachen liegen auch in unseren westlichen Gesellschaften“ und „Mit dem Terrorismus werden wir noch lange leben müssen.“

„Nutzt eure Möglichkeiten zu reisen, macht Praktika im Ausland, arbeitet oder studiert dort für einige Zeit. Ersetzt Vorurteile durch Wissen. Wer den anderen kennt, versteht ihn besser und bekämpft ihn weniger.“ Dies war der Ratschlag von Professor Ménudier in der anschließenden Diskussion.

Bild: (v.l.) Prof. Dr. Henri Ménudier (Universität Paris 3-Sorbonne Nouvelle), Leana Kammertöns (Europe Direct Kreis Gütersloh) und Wolfgang Hellmeier (Deutsch-Französische-Gesellschaft-Gütersloh)

Nachbericht

EU-Planspiel „Next Level: Europe“ - Azubis erproben sich im europäischen Gesetzgebungsprozess

Kreis Gütersloh. Europäische Politik wird nicht nur in Brüssel gemacht, sondern auch in den EU-Mitgliedstaaten und in den Regionen. Wie die Region in dem Gesetzgebungsprozess eingebunden wird, haben 22 Auszubildende des Kreises Gütersloh, der Stadt Gütersloh und der Kommune Rheda-Wiedenbrück in dem Planspiel „Next Level: Europe" hautnah miterlebt. Das Planspiel zeigt anhand der Migrations- und Flüchtlingspolitik, wie diese drei Ebenen – europäisch, national und regional – zusammenarbeiten.

Am 23.09.2016 hat das  Europe Direct Kreis Gütersloh zu einer eintägigen Veranstaltung eingeladen, um den Einfluss der Regionen im europäischen Politikprozess erlebbar zu machen. Im ersten Teil der Veranstaltung frischte Leana Kammertöns (Leitung Europe Direct Kreis Gütersloh) das EU- Basiswissen der Auszubildenden auf und gab in ihrem Workshop Impulse für den darauf folgenden Teil, dem Planspiel „Next Level. Europe“

Die Auszubildenden schlüpften für fünf Stunden in die Rollen der Vertreter/innen aus Kommission, Parlament, Ministerrat und der regionalen Ebene, um eine einvernehmliche Lösung in der EU-Asylpolitik zu finden: Sollen Flüchtlinge nach einer Quote in der EU verteilt werden? Wie können sonst Verantwortung und Kosten fair von allen Mitgliedstaaten getragen werden? Soll die Kooperation mit den Nachbarstaaten verstärkt werden, um die Flüchtlingszahlen zu senken? Verantwortung oder Abschottung?

Bevor die Ratssitzung und der Ausschuss der Region (AdR) simuliert wurden, fasste  Alexander Kuschel (Planpolitik, Berlin) den europäischen Gesetzgebungsprozess sowie die aktuellen Stand der EU-Asylpolitik zusammen. Danach hieß es für die Teilnehmer, die Interessen der zugewiesenen Rollen so gut wie möglich zu vertreten. Bei der  Umsetzung erhielt der Ausschuss der Region besondere Aufmerksamkeit, denn dieser gilt im Rechtssetzungsprozess als Sprachrohr der Wähler. Den Teilnehmern des Planspiels war schnell klar, dass ein Kompromiss nicht einfach zu finden  sein wird.

Nach dem Spiel war er Europäische Gesetzgebungsprozess keine Black-Box mehr. Vielmehr konnten die Teilnehmer einen Eindruck gewinnen, wie die einzelnen Regionen bei  dem  europäischen Gesetzgebungsprozess  Einfluss nehmen können.  Darüber hinaus haben sie ein tiefes Verständnis für den schwierigen Entscheidungsprozess auf europäischer Ebene in diesem komplexen Thema entwickelt.

Nachbericht

Großbritannien und die EU: Welche Auswirkungen hat das Referendum auf Europa?

Kreis Gütersloh. Über 100 Interessierte folgten der Einladung des Europa-Informationszentrums Kreis Gütersloh zu einem Vortrags- und Diskussionsabend zum derzeit heiß diskutierten Thema „Großbritannien und die EU: Welche Auswirkungen hat das Referendum auf Europa?“ ins Kreishaus Wiedenbrück.

Am 23. Juni stimmen die Briten über den Verbleib Großbritanniens in der EU ab. „Das Recht zum Austritt aus der EU steht jedem Staat zu, doch Großbritannien ist der erste Staat, der von diesem  Recht Gebrauch machen will,“ beschrieb Anna Niehaus von der pro Wirtschaft GT die Situation.  Gemäß Artikel 50 des EU Vertrags kann nämlich jeder Mitgliedstaat im Einklang mit seinen verfassungsrechtlichen Vorschriften beschließen, aus der Union auszutreten. Das Ergebnis dieses Referendums wird daher in ganz Europa mit großer Spannung erwartet. „Die Stimmung in Großbritannien ist derzeit sehr angespannt und gespalten,“ berichtete Debra Watford-Spence, eine Gütersloher Lehrerin britischer Herkunft. Derek P. Clark, britischer Unternehmer aus Bielefeld, ist sich sicher, ein Brexit würde weitere innenpolitische Probleme im Großbritannien zu Folge haben. „Dann wird Schottland das Vereinigte Königreich verlassen und der EU beitreten,“ lautete seine Prognose.

Doch was würde konkret passieren, sollten die Briten tatsächlich für den Brexit stimmen und was, wenn sie sich für den Verbleib in der EU entscheiden? Über diese Fragen diskutieren mit dem Publikum Wichard Woyke, Professor für Europapolitik an der Universität Münster und Ralph Brinkhaus, der Gütersloher Bundestagsabgeordnete. Woyke erläuterte die Entwicklungen der britischen EU-Mitgliedschaft und verwies auf die bereits jetzt geltenden Sonderregelungen für die Briten. Sollte das Referendum ein „Ja“ für die EU ergeben, würden diese Sonderregelungen um einige weitere, z.B. gekürzte Sozialleistungen für EU-Zuwanderer sowie Kindergeld nach Aufenthaltsland, ergänzt. Dies hat der britische Premier James Cameron im Februar mit der EU ausgehandelt. Doch was würde im Falle eines „Nein“ zur EU passieren? Sollte es zum Brexit kommen, hätte das große Auswirkungen auf die gesamte EU und auch auf Deutschland. Welche genau, erklärte anschaulich Ralph Brinkhaus. Als größtes Problem bezeichnete er dabei die Unsicherheit, das sich nach Brexit einstellen würde. Die Situation wäre ein Novum für die EU und keiner wüßte wirklich, wie die Abspaltung abzuwickeln wäre. Doch trotz pessimistischer Töne war Brinkhaus überzeugt: „Wir werden auch damit fertig. Europa muss sich aber weiterentwickeln. Wir brauchen nicht „mehr Europa“, wir brauchen ein besseres Europa!“ 

Diskutierten über das EU-Referendum in Großbritannien: (v.l.) Derek P. Clark (Losyco GmbH), Stefan Schelp (Neue Westfälische), Prof. Dr. Wichard Woyke (Universität Münster), Debra Watford-Spence (Geschwister-Scholl-Schule), Anna Niehaus (pro Wirtschaft GT), Leana Kammertöns (Europe Direct Kreis Gütersloh) und Ralph Brinkhaus (CDU-Bundestagsabgeordneter).

Nachbericht

Die Gründungsväter Europas - Eine Zeitreise durch die Geschichte

Rund 200 Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule versammelten sich am 31.05.2016 in der Mensa, um sich auf die Spuren der europäischen Geschichte zu begeben. Der Diplom-Politologe Ingo Espenschied  war mit seiner Live–Dokumentation „ Die Gründungsväter Europas“ zu Gast und nahm die Schüler mit auf eine besondere Zeitreise. 

In einer Multimedia-Präsentation brachte Espenschied den Neunt- und Zehntklässler die Entstehungsgeschichte der Europäischen Union näher. Dabei beleuchtete er politische Zusammenhänge, tragende Persönlichkeiten und wirtschaftliche Aspekte.

Startpunkt der Zeitreise war die Schumanerklärung vom 9. Mai 1950 und die Entstehung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl.  In einer Geheimaktion, die einem wahren Politkrimi gleichkommt, gaben Schumann, Monnet und  Adenauer den Impuls für die Schaffung eines gemeinsamen Europas auf supranationaler Basis. Neben den Gründungsvätern und Verfechter der Europäischen Gemeinschaft  stellte Espenschied bedeutende geschichtliche Ereignisse, die  Anfänge der Europäischen Union und ihre Erweiterung ausführlich vor. Dabei wurden historische Fotos, Animationen, Karikaturen, Zeitzeugeninterviews und original Wochenschauberichten auf eine mobile Kinoleinwand projiziert.

„Europa befindet sich in einem Prozess, der bis heute nicht beendet ist“, sagte Espenschied am Ende seines Vortrags. Gleichzeitig machte er den Schülerinnen und Schülern deutlich, dass „wir die großen Probleme nur lösen können, wenn wir als Europäer zusammenarbeiten.“

Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Schüler die Gelegenheit mit dem renommierten Politikwissenschaftler über aktuelle EU-Themen, wie z.B. TTIP,  die europäische Integration und einen möglichen Brexit, kontrovers zu diskutieren.

von rechts: Frau Piepenbrock (Schulleitung, Geschwister-Scholl-Schule), Ingo Espenschied (DOKU Live), Leana Kammertöns (Europe Direct Kreis Gütersloh), Alina Fordkort und Monika Groß (Geschwister-Scholl-Schule)

Nachbericht

„Die aktuellen außen- und sicherheitspolitischen Fragen erfordern eine gemeinsame europäische Antwort“

Diskussionsveranstaltung zu Perspektiven der EU-Außen- und Sicherheitspolitik mit Elmar Brok im Carl-Miele-Berufskolleg in Gütersloh 

„Wir können keine nationale Politik in existenziellen Fragen führen. Niemand kann das in einer globalisierten und vernetzten Welt“, betonte Brok in seiner Rede im Hinblick auf die aktuelle Situation in Europa, wo vermehrt nationalstaatliche Tendenzen festzustellen sind.

Elmar Brok, MdEP, folgte der Einladung des Europe Direct Informationszentrums Kreis Gütersloh und sprach vor rund 200 Interessierten über die aktuellen Entwicklungen in der EU-Außen- und Sicherheitspolitik der EU. Dabei stand die Bewältigung der Flüchtlingskrise im Mittelpunkt.

Brok betonte, dass diese die größte Herausforderung der letzten 60 Jahre sei, die kein Staat alleine bewältigen kann. Vor allem die Ursachen der Krise müssten bekämpft werden. Die Schließung der Grenzen sei keine Lösung, vielmehr würde dies Europa zerstören. Die Freizügigkeit sei eine der wichtigsten Grundfreiheiten der Europäischen Union und eine Grenzschließung treffe insbesondere die Wirtschaft. Die Flüchtlingskrise könne nur gemeinsam auf europäischer Ebene gelöst werden. Wichtige Schritte auf diesem Weg seien das Sichern der Außengrenzen, die finanzielle Hilfe für Herkunftsländer und den Krieg in Nah-Ost zu beenden. Außerdem, so Elmar Brok, müsse Deutschland Asylbewerber ohne Bleiberecht konsequenter und schneller abschieben, damit diejenigen, die bleiben dürfen, besser versorgt werden könnten.

In dem europapolitischen Talk mit Reinhard Brockmann ging Brok auch auf andere wichtige Themen wie die Finanzkrise und den drohendenden Brexit ein. Anschließend stellte Brok sich dem Fragesturm des Publikums, das auch kritische Fragen zu den Beziehungen der EU zu der Türkei und Russland und der Ukraine-Krise stellte.

Leana Kammertöns (Europe Direct Kreis Gütersloh), Albrecht Pförtner (pro Wirtschaft GT), Sven-Georg Adenauer (Landrat Kreis Gütersloh), Elmar Brok (MdEP), Reinhard Brockmann (freier Journalist, Moderator). 

Veranstaltungen 2015 im Rückblick

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Chancen und Risiken der Digitalisierung - Was können wir von Estland lernen?

Das Europe Direct Kreis Gütersloh hat am 26.11.2015  zu einem Vortrag mit anschließender Expertendiskussion zum Thema "Digitaler Binnenmarkt" eingeladen. Im Kreishaus Gütersloh durchleuchteten die Podiumsgäste die Vorteile der Online-Dienstleistungen in der Verwaltung und diskutierten über die Rahmenbedingungen einer digitalen Gesellschaft.

„Vor den meisten Dienstleistungen könnte ein „E“ vorstehen“, stellte Kristiina Omri von der Botschaft Estlands fest. Sie weiß wovon sie spricht, denn Estland gilt nicht umsonst als Vorreiter in Sachen Digitalisierung. „E-Estonia“  heißt die digitale Strategie des Landes und besteht aus vielen Teilbereichen wie z.B. E-Schulen, E-Gesundheitssystem und E-Staatsbürgerschaft. Die papierlose Verwaltung spart Bürgerinnen und Bürger im Schnitt eine Arbeitswoche  pro Jahr und Online-Steuererklärungen dauern weniger als zehn Minuten. Die Regierung selbst ist Vorbild: Sitzungen der Regierung verkürzten sich durch Digitalisierung von vorher 5-6 Stunden auf 30–90 Minuten. Für eine erfolgreiche, zukunftsorientierte Umsetzung der digitalen Dienstleistungen sei es unumgänglich, das Vertrauen der Bürger zu gewinnen und ständige Weiterentwicklung der Dienstleistungen und deren Sicherheit anzustreben.
Die Stadt Gütersloh ist eine „Modellkommune E-Government“ und übernimmt in Deutschland die Vorreiterrolle für kommunale Digitalisierung. „Alle Online-Dienstleistungen unter einem Dach zu vereinen und ortsunabhängig im 24-Stunden-Service für Bürgerinnen und Bürger zugänglich machen zu können – das ist eines der größten Vorteile unseres Bürgerportals“, meinte Dr. Markus Kremer von der Stadt Gütersloh. Allerdings stellte er auch klar, dass E-Government Zeit und viele Ressourcen braucht, da eine weitreichende Systemumstellung erforderlich sei.
Dr. Ole Wintermann von der Initiative OWL Digital lobte das Bürgerportal der Stadt Gütersloh als lokales Best-Practice-Beispiel und hob zugleich die Bedeutung der Breitbandversorgung als Voraussetzung für die digitale Teilhabe im Kreis Gütersloh hervor.
Thomas Floß (EDV-Unternehmensberatung Floß GmbH) betonte, dass guter Datenschutz und IT-Sicherheit auf jeden Fall realisierbar seien, jedoch auch eine möglichst frühe Sensibilisierung für den Umgang mit eigenen Daten sowie Investitionen erfordern.

Am Ende der Diskussion waren sich die Podiumsteilnehmer nicht in allen Punkten einig. Doch geschlossen stimmten sie zu, dass Europas Digitalwirtschaft in Schwung gebracht werden muss, um nicht den Anschluss an das digitale Zeitalter zu verpassen.

Albrecht Pförtner (pro Wirtschaft GT), Leana Kammertöns (Europe Direct Kreis Gütersloh), Kristiina Omri (Botschaft Estland), Dr. Markus Kremer (Stadt Gütersloh), Thomas Floß (EDV-Unternehmensberatung Floß GmbH). Es fehlt Dr. Ole Wintermann (OWL Digital).

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Reise durch das unbekannte Europa - Von Estland bis Bulgarien

Im Rahmen der Europawoche 2015 haben die VHS Reckenberg-Ems und das Europainformationszentrum im Kreis Gütersloh am 4. Mai zu einer Vortragsreise durch die östlichen Mitgliedsländer der europäischen Union eingeladen.
Dr. Gerhard Schüsselbauer vom Gesamteuropäischen Studienwerk e.V. in Vlotho zeigte auf anschauliche Weise, wie sich die eher unbekannten Staaten östlich von Deutschland seit ihrem EU-Beitritt entwickelt haben. Land für Land beleuchtete der Europaexperte die wirtschaftliche und politische Situation der östlichen EU-Mitgliedsstaaten: Wie steht es bei den einstigen Sorgenkindern in Europa in Sachen wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitslosigkeit und politischen Entwicklungen? Welche Rolle spielen Staaten wie Polen, Ungarn, Rumänien oder Bulgarien in der EU-Staatsschuldenkrise? Welche Bedeutung haben diese Entwicklungen für die Zukunft der Europäischen Union? Dazu gab es Literaturtipps passend zu dem jeweils bereisten Land.

Dr. Gerhard Schüsselbauer nahm die Gäste mit auf eine Vortragsreise durch die östlichen EU-Staaten.

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Transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP

„Wir brauchen TTIP, aber wir müssen auch die Risiken des Freihandelsabkommen abwägen“, fasst Dr. Marco Kuhn die rund zweieinhalbstündige Diskussion zusammen. Etwa160 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung des Europainformationszentrum im Kreis Gütersloh und informierten sich im Kreishaus Gütersloh über das transatlantische Freihandelsabkommen zwischen der USA und der EU, kurz TTIP.

„TTIP ist kein Geschenk an die Amerikaner oder ein Einknicken vor Ihnen, sondern Teil der langjährigen Außenhandelsstrategie der Europäischen Union“, erklärte Lutz Güllner von der Europäischen Kommission in seiner Einführung.  Mit dem transatlantischen Freihandelsabkommen könnten die USA und die EU die größte Freihandelszone der Welt schaffen. Dabei gehe es nicht nur um den Abbau von Zöllen, sondern auch darum sich in den regulativen Fragen in Zukunft besser abzustimmen. Der IHK-Geschäftsführer Dr. Christoph von der Heiden hob die Chancen des Abkommens mit den USA hervor. Besonders mittelständische Unternehmen würden durch internationale Standards und einen vereinbarten Investorenschutz ermutigt werden, ihre Produkte vermehrt zu exportieren und so das wirtschaftliche Wachstum anzukurbeln. „Die vielen unterschiedlichen Normen und Regeln überfordern insbesondere die kleineren Unternehmen. Durch einheitliche Bestimmungen können diese leichter auf dem amerikanischen Markt Fuß fassen“, so von der Heiden. Dr. Markus Pieper, Europaabgeordneter aus dem Münsterland, stellte den Bezug zu anderen internationalen Handelsgrößen wie China her. TTIP sei bedeutend, um mit der internationalen Konkurrenz in Zukunft mithalten zu können. Bettina Cebulla von der Verbraucherzentrale NRW befürchtete ein Absinken des Verbraucherschutzes und der deutschen sozialen Standards. Robert Fuß sah in der Einführung der geplanten Schiedsgerichte eine Möglichkeit für Konzerne, demokratische Verfahren und Entscheidungen anzufechten. „Die privaten, nicht öffentlichen Schiedsgerichte, vor denen Unternehmen Staaten auf Schadensersatz verklagen können, haben nichts mit unserer Gewaltenteilung zu tun“, so Fuß. „Dennoch brauchen wir Regeln für Investitionen“, entgegnete von der Heiden. Dazu gehöre, dass Ausländer nicht diskriminiert würden und der Schutz vor Enteignung. Man könne TTIP als Chance für einen modernisierten Investorenschutz mit zeitgemäßen Regelungen begreifen, so Güllner. „Schiedsgerichtsverfahren sind üblich und bekannt“, so Dr. Marco Kuhn. Schon in anderen Handelsabkommen habe man damit Erfahrung sammeln können. Nach Einblick in die Verhandlungsunterlagen sei er inzwischen auch „beruhigter“, dass die kommunale Daseinsvorsorge nicht durch das Abkommen betroffen sein werde.

Am Ende der Diskussion waren sich die Podiumsteilnehmer einig, dass TTIP eine große Chance für den deutschen Markt und den internationalen Handel sei. Doch die Details des Abkommens seien komplex und müssten sorgfältig von Experten unter Einbeziehung der Interessen von Bürgern ausgestaltet werden.

Anna Bückmann (Europe Direct Kreis Gütersloh), Monika Olszewski (Radio Gütersloh, Moderatorin), Bettina Cebulla (Verbraucherzentrale NRW), Lutz Güllner (EU Kommission), Robert Fuß (IG Metall), Dr. Christoph von der Heiden (IHK Bielefeld), Sven-Georg Adenauer (Landrat Kreis Gütersloh), Dr. Markus Pieper (MdEP)